Holt euch eure Rechte zurück! – Mein Entschluss zu Facebook, Instagram und Co.

»Du hättest nur das Recht gehabt, mich anzuschreiben, damit ich dich auf dem Foto verlinke – und nicht, meine Fotos löschen zu lassen, die ich mit einer Menge Arbeit herausgesucht habe.«

Das war die Reaktion eines Instagram-Nutzers, als ich über das Meldeformular von Instagram seinen Post löschen ließ, in dem er Fotos von mir geklaut hat. Immerhin hat er reagiert und mir ganze 19 Nachrichten gesendet, bevor er abschloss mit »Ich weiß nicht mehr [woher ich dein Bild habe, immerhin habe ich über 200 Posts auf meiner Seite], schau doch einfach auf tumblr. Tschüss.« und mich blockierte.

Über Urheberrechte – insbesondere im Internet – ist ein nicht unerheblicher Teil der Nutzer von sozialen Netzwerken uninformiert. Der oben genannte Account war an diesem Tag nicht der Einzige, der meine Fotos unerlaubterweise genutzt hat. Auch Kollegen klagen oft darüber und über die Unwissenheit und Uneinsichtigkeit der Nutzer.

Rechte vorhanden, Schutz nahezu unmöglich

Darunter sind auch Accounts mit Followerzahlen im fünfstelligen Bereich aufwärts, die dann etwa darauf ausgerichtet sind, auf ihren eigenen T-Shirt-Shop bei Spreadshirt verlinken. Dort verkaufen sie ihre eigens kreierten Fan-Shirts – nutzen aber geklaute Fotos als kostenloses Marketingmittel.

Ja, natürlich kann ich jede Verletzung meiner Urheberrechte an Instagram melden. Doch das ist zeitintensiv und ich kann bei weitem nicht jedes unerlaubt verwendete Bild ausfindig machen. Mir ist klar, dass ich Schadensersatz einfordern könnte – ggf. auch mit anwaltlicher Hilfe – doch auch hier investiere ich einiges an Zeit und Geld in der Hoffnung, dass der Täter überhaupt identifiziert werden kann. Denn ein Impressum haben diese Seiten üblicherweise nicht. Selbst auf Spreadshirt nicht.

Die Nutzer auf der einen Seite, die Plattformen auf der anderen

Auch wenn das Verhalten der oben beschriebenen Nutzer oft auf Unwissenheit beruht, gibt es dennoch (meiner Meinung nach) Täter, die eine ganze fachkundige Abteilung haben: Die Plattformen selbst. Die Nutzungsbedingungen von Instagram beispielsweise räumen dem Anbieter ein, alle auf der Plattform veröffentlichten Bilder verkaufen zu dürfen – ohne, dass der Urheber auch nur einen Cent davon sieht. Ganz zu schweigen von den sonstigen Praktiken in Hinsicht auf Datenschutz, Werbung, Überwachung oder willkürlicher Bestimmung über Accounts.

Vielleicht hilft der aktuelle »Skandal« um Facebook, der meiner Meinung nach keineswegs überraschend kam, für ein Umdenken auf Seiten der Nutzer – immerhin gehen die Nutzerzahlen gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohnehin schon länger zurück. Außerdem gibt es interessante Alternativen, auf die ich in diesem Blogbeitrag eingehen möchte.

 

Keine Alternative zu Facebook und Instagram:

 

Alternativen zu Facebook und Instagram:

  • Flickr (https://www.flickr.com)
    Ja, es ist Kritik aufgekommen, als flickr begann, einige Nutzerfotos zu verkaufen. Allerdings haben sie dafür nur die Bilder benutzt, die von den Nutzern explizit unter der kommerziellen Creative Commons-Lizenz veröffentlicht wurden. Aber: »Wer CC-Lizenzen vergibt, hat selbst Schuld«
    Ansonsten ist Flickr eine Plattform, die scheinbar Datenschutz- und Urheberrechte respektiert – und mit (nach eigenen Angaben) 77 Millionen aktiven Usern (Stand 2011) auch nicht gerade klein ist.
  • Steemit (https://steemit.com)
    Steemit basiert auf einer Blockchain – dem Ding, das wir auch beim Bitcoin schon nicht wirklich verstanden haben. Die großen Vorteile: Steemit ist dezentral, transparent und anonym. Somit ist (sofern der Journalist auch die Verbindung in die Blockchain enstsprechend absichert und verschlüsselt) etwa zensurfreier Journalismus von Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit in die ganze Welt möglich.
    Ein weiterer großer Pluspunkt: Mit ihren »Likes« kuratieren die Nutzer Inhalte, die andere Nutzer geteilt haben. Die genaue Erklärung ist an dieser Stelle zu ausführlich, aber banal gesagt, bekommt man für jeden Like auf den eigenen Post Geld (in Form der eigenen Kryptowährung »Steem Dollar (SBD)«).Einen guten Überblick darüber, was Steemit und die darum angesiedelten Plattformen können, bietet dieses Video. Wo ist also der Haken?
    Natürlich muss man sich über die Besteuerung der Erwirtschafteten Kryptowährung Gedanken machen. Und: obwohl stetig und schon einige Zeit an der Plattform entwickelt wird, bringt sie doch noch ein paar Kinderkrankheiten mit sich. Die Geschwindigkeit muss noch weiter optimiert werden – vor allem, was die Freischaltung des Accounts nach der Registrierung betrifft (die derzeit bis zu mehreren Tagen oder gar Wochen dauern kann und manchmal mehrere Registrierungsversuche benötigt).
    Das könnte auch ein Grund für den zweiten Nachteil sein: Bisher gibt es weltweit nicht einmal 200.000 aktive Nutzer (Stand März 2018).

    Doch wie »Vero« gut gezeigt hat, kann sich das binnen Monaten ändern. Für mich ist das revolutionäre Konzept so interessant, dass ich mich registriert habe. »Steepshot« heißt meine Alternative zu Instagram, »Steemit« die zu Facebook und vielleicht probiere ich mich auch mal auf »Zappl« (dem Twitter-Equivalent), »D.tube« (vgl. YouTube), »DLive« (für Livestreams) oder »DSound« (vgl. Soundcloud) – alles nutzbar über dieselbe Blockchain und damit über die selben Account-Zugangsdaten wie bei Steemit.

 

Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit solchen Rechtsverletzungen gehabt und wie steht ihr zu den Alternativen? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen – auch per E-Mail.

Vielen Dank fürs Lesen dieses Beitrags! Falls du ihn nützlich fandest, zieh doch bitte in Erwägung, ihn zu teilen oder meinen Versuch von werbefreiem, unabhängigen Journalismus durch eine Spende zu unterstützen.

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5 Gedanken zu „Holt euch eure Rechte zurück! – Mein Entschluss zu Facebook, Instagram und Co.

  1. Meiner Meinung nach darf eine Social Media Plattform nur dezentral sein.

    Der Sinn Bitcoins und der darunterliegenden Blockchain-Technologie ist es, (Zentral-)Banken zu entmächtigen und diese Macht fair an alle Nutzer zu verteilen. Wie gut das umgesetzt ist sei mal dahingestellt, auch Bitcoin ist bei Weitem nicht perfekt. Jedoch führt die vorhandene Machtkonzentration bei (Zentral-)Banken immer wieder zu Missbrauch, Ungerechtigkeit und Menschenleid. Das ist momentan beispielsweise in Venezuela zu beobachten.

    Die gleiche Machtkonzentration liegt auch bei zentral gesteuerten Social Media Plattformen vor. Der Facebook-Algorithmus steuert beispielsweise, was Nutzer sehen. Dieser ist jedoch manipulierbar. Die Daten der Nutzer werden ebenso zentral gespeichert. Auch die Zensur obliegt alleinig Facebook allein. Durch einen Wandel in der Architektur – von zentral zu dezentral – können oben genannte Probleme gelöst werden. Ich bin davon überzeugt, dass man mit richtig gesetzten wirtschaftlichen Anreizen eine dezentrale Social Media Plattform bauen kann, die die Lösung der genannten Probleme (und vllt noch mehr) durch ihre Architektur bzw. Bauart in sich trägt und nicht von außen reguliert werden muss.

    Steemit ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung. Ja, die Plattform ist noch sehr klein, aber dafür ist der Inhalt hochqualitativer als auf Facebook. Ja, sie ist noch langsam, aber das liegt (noch) in der Natur der Dezentralität. Ja, die Besteuerung von Kryptowährungen wird in Zukunft ein Problem aufwerfen. Aber das ist eben die disruptive Natur derselben. Im Gegenzug erhält man finanzielle Privatsphäre und machtunabhängige Freiheit.

    1. Kinderkrankheiten sind ja keine Eigenheit dezentraler Netzwerke

      Hi Joe,

      danke für deinen Kommentar. Ich bin da ganz deiner Meinung. Je mehr Nutzer Steemit bekommt, desto schneller werden diese Probleme auch gelöst. Technische Schwierigkeiten sind ja nicht nur ein Problem von dezentralen Netzwerken oder der Blockchain, wie man auch an der Anfangszeit von heute großen Plattformen wie Facebook und YouTube sieht – oder heute an Vero.

      Ich hoffe, dass möglichst viele Leute das Potenzial von Steemit erkennen, auch unabhängig vom finanziellen Anreiz (den es ja bei den bisherigen, »konventionellen« Plattformen auch nicht gab). Und ich hoffe darauf, in naher Zukunft einen großen Teil derer, mit denen ich mich bisher auf Instagram und Facebook vernetzt habe, auf Steemit wiederzutreffen.

      Vielleicht entsteht dadurch ja eine Entwicklung, die auch Probleme wie Überwachung, Wahlmanipulation und ähnliches lösen kann.

      Viele Grüße,
      Marcel

  2. Man kommt als Professioneller nicht mehr an solchen medienweitergebenden Plattformen vorbei. Fakt ist, dass Google, Facebook, Instagram, Pinterest und andere notwendige Tools zum Eigenmarketing sind. Die aufgezeigten Alternativen sind nicht wirklich welche. Die Erfahrung zeigt, dass sich mit steigender Nutzerzahl Geschäftsmodelle/AGB angepasst und den Forderungen von Nutzniessern der Datensammlungen Folge geleistet wird.
    Abgesehen von dem sehr arroganten Kommentar des Nutzers (einfach nur frech und jenseits jeder Achtung von kreativem Arbeiten): vor „Bilderklau“ kann man sich nur dadurch schützen, dass man nicht die Originaldaten hochlädt.

    Es gibt keinen 100% Schutz, aber jeder Schritt über „Grafik sichern unter“ mit rechter Maustaste hinaus reduziert die Anzahl der unberechtigten Nutzer. Zum Beispiel Bild in Kacheln aufteilen:

    https://itunes.apple.com/de/app/picslit-giant-photo-grid-banner-square-for-instagram/id647759273?mt=8

    oder: eine Style-Vorlage erstellen und als pdf hochladen, mit eurem Logo/Wasserzeichen zu versehen, das natürlich nicht das Bild zerstören muss, aber Aufwand für den unberechtigten Nutzer erzeugt.
    Jeder Aufwand mehr als „Grafik sichern unter“ reduziert unberechtigte Nutzer.

    Grundsätzlich gilt: Bilder nur im maximal notwendigem Format einsetzen, möglichst nicht die Originaldatei verwenden (es werden zB im Allgemeinen alle Dateiinformationen beim Download nicht weitergegeben, sondern ersetzt mit dem File-Name/ der URL des Anbieters).
    Baut Euch (oder lasst Euch bauen) eine Style-Vorlage, die Bilder in einen Kontext einbindet und nicht als Einzeldatei herunterladen/ teilen/liken lässt.
    Jammern hilft nicht, lernen wir die Instrumente kennen, mit denen wir arbeiten und reduzieren wir den Missbrauch unserer Arbeiten.

    1. Hallo Sabine Pallaske,

      vielen Dank für den Kommentar und die Ratschläge dazu, wie man die eigenen Werke besser vor »Diebstahl« schützen kann.

      Dass für Eigenmarketing Plattformen wie Instagram und Facebook wegen Ihrer Reichweite und Relevanz fürs Eigenmarketing unerlässlich sind, ist mir klar. Die vorgestellten Alternativen sehe ich eher als zusätzliche Option, als weiteren Kanal zur Akquise und ggf. auch als zusätzliche Einnahmequelle (mit Steemit werden durchaus bereits beachtliche Umsätze generiert), die zwar mit steigender Nutzerzahl relevanter wird, aber dennoch die bisherigen Plattformen auf absehbare Zeit nicht ersetzen wird.

      Wasserzeichen, Kachelung, usw. sind natürlich auch auf den genannten Alternativen eine sinnvolle und wichtige Schutzmethode. Allerdings erlangen die Urheberrechtsverletzer meine Bilder in der Regel nicht über Instagram selbst, sondern über Online-Angebote von Redaktionen, die die Lizenzen rechtmäßig erworben haben. Für diese sind Wasserzeichen verständlicherweise nicht zumutbar.

      Ich kann leider nicht ganz nachvollziehen, auf welche Arroganz Sie ansprechen. Meinen Sie die Aussage von »Joe«, dass »der Inhalt hochqualitativer als auf Facebook« ist? Denn in diesem Satz hatte ich keine Beleidigung gegen jeglichen kreativen Content verstanden, sondern die Tendenz einer breiten Masse auf Facebook (aber auch YouTube oder Instagram), niederqualitativen, »gestohlenen« oder »Clickbait«-Inhalt zu veröffentlichen und zu kuratieren.

      Viele Grüße,
      Marcel Mücke

      1. hallo Marcel,
        mit Arroganz meinte ich “ »Ich weiß nicht mehr [woher ich dein Bild habe, immerhin habe ich über 200 Posts auf meiner Seite], schau doch einfach auf tumblr. Tschüss.«“ Nur weil ich mich als „Influenzer“ fühle, enthebt mich das der Quellenrecherche?

        Sie haben allerdings Recht, dass viel Content über eigentlich lizenzierte Seiten kommt. Hier sind eigentlich die Verlage gefragt, dies mit technische Maßnahmen zu unterbinden – besonders angesichts des Riesentrubels, der wegen des Verlegerleistungsschutzrecht angetreten wurde. Zu verhindern, dass visueller Content mit einfachem rechten Mausklick bezogen werden kann, ist mit einem kleinen Script nicht sehr aufwendig, allerdings nachteilig für die Suchmaschinenoptimierung – gerade visueller Content ist wichtig für die Indizierung in Suchmaschinen und damit für das Ranking der jeweiligen Publikation.

        Auch Steemit schützt nicht vor unberechtigten Nutzung durch andere, die unberechtigte Nutzung ist hier gemusst möglich wie bei allen anderen Plattformen.
        Die Diskussion, ob und wie Kreative ihre Rechte schützen ist und wird weiter anstrengend sein. Wir werden uns mit technischen Lösungen (eindeutige Indizierung wie zB bei Filmen oder Games, evt über Blockchain) auseinandersetzen müssen, auch mit der Frage, wie, wann und ob wir unberechtigten Nutzungen nachgehen (evt „Rufschädigung“ als Abmahner).

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